SV Schwarz-Weiß Alflen

Chronik

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Im Jahre 1927 fanden sich im Hause Johann Thull, Auf dem Hüwel (heute: Obere Kirchstraße), 24 junge Männer zusammen und beschlossen, einen Sportverein zu gründen. Unterstützt wurden sie von Lehrer Karl Dreiser. Dieser schreibt folgendes in der Chronik der Volksschule Alflen:

 

Gründung des Sportvereines der deutschen Jugendkraft DJK in Alflen.

Aus der Jugend heraus kam an die Lehrerschaft der Wunsch betreffs Gründung eines Sportvereins:

Im Kreise ist in diesem Jahre die Gründung des Bezirks 7 (Rheingau) der deutschen Jugendkraft - eine Sportverbindung katholischer Verbände - vollzogen worden.

Diesem Bezirk schlossen sich die umliegenden Dörfer an und bilden im Bereich 7 die sogenannte “Eifelgruppe“.

Gruppenführer ist Lehrer Dreiser aus Alflen. Präses des hiesigen Vereins ist Herr Pfarrer Severin. Die technische Leitung wurde Lehrer Klein von hier übertragen.

Die Erfolge, die der Zusammenschluss schon in diesem Jahre zu verzeichnen hat, sind sehr erfreulich.

Möge die Verbindung von Bestand sein; der Vorteil für unsere Jugend auf seelischem wie auf körperlichem Gebiete wird dann schon zur Auswirkung kommen.

 

Zu den Gründungsmitgliedern kamen noch weitere Aktive, so dass man aus dieser starken Gruppe sofort zwei Mannschaften zusammenstellen konnte. Die ersten Schiedsrichter unserer Mannschaft waren Peter Lahn und Albert Thull. Etwas später kamen Karl Thull, Georg Brost und August Konrath zu den Spielern hinzu.

Nikolaus Thull wurde Spielführer der 1. Mannschaft und der Spielführer der 2. Mannschaft war Alois Marx.

Albert Pantenburg aus Driesch lieferte die ersten Trikots. Da Spielführer Thull damals als Schuhmacher bei der Firma Schenk in Cochem arbeitete, konnte er dort den ersten Fußball zum Preis von 16 Mark erwerben. Außerdem betreute er das Schuhwerk seiner Mitspieler. Man spielte in dem einzigsten Schuhpaar, das man besaß, wahrscheinlich nicht zur Freude der Eltern. Denn oft waren die Nagelschuhe nach einem Spiel so malträtiert, dass der Schuster abends noch als rettender Engel eingreifen musste.

Zeitgleich mit der Gründung des Sportvereins wurde auch der Mandolinenclub aus der Taufe gehoben. So kam mancher in Gewissenskonflikte, ob er sich dem Sport oder der Musik zuwenden sollte.

Das erste Sportfest wurde in Kötterichen besucht.

Schon die Anfahrt bzw. der Anmarsch war nicht ohne Schwierigkeiten. So standen z.B. nur 5 oder 6 Fahrräder zu Verfügung, so dass mehrere auf einem Rad fahren mussten. Die Spiele fanden auf einem abgeernteten Kartoffelacker statt. Da es morgens noch geregnet hatte, konnte man nur von einem Matschplatz sprechen. Unsere Mannschaft errang damals den ersten Preis. Er bestand aus einer großen Blumenvase, die man mit Blumen bemalt hatte. Pokale waren noch weitgehend unbekannt.

Im Jahre 1933 kam Lehrer Schuster - zuvor Turnlehrer in Cochem - an die Schule in Alflen. Er legte sein Hauptinteresse auf die Leichtathletik und es wurden meist Laufwettbewerbe bestritten.

Der Sportplatz wurde von der Alfler Jugend am Nassen Berg hergerichtet. Sie zogen mit Hacke und Schaufel vors Dorf und planierten das Gelände.

Alle Spiele fanden erst sonntags nach der Christenlehre statt. Es hätte den Familien- und Dorffrieden erheblich gestört, wenn man wegen des Fußballspiels geschwänzt hätte.

Der Abmarsch vom Sportplatz ging immer sehr geordnet vonstatten. Unter Absingen eines Liedes zogen Mannschaft und Zuschauer ins Dorf zurück.

Am 10. Juni 1933 wurde die Deutsche Jugendkraft und damit auch der Alfler Sportverein verboten. Während der Nazi-Zeit rückten Verbände und Gruppen mit anders gelagerten Interessen in den Vordergrund. Der Krieg riss große Lücken in die Reihen der Jungmänner des Dorfes. Auch viele Gründungsmitglieder des Sportvereins zählten zu den Gefallenen.

 

Die Nachkriegsjahre

 

Nach dem Krieg nahm der Sportverein, zuerst mit einigen Freundschaftsbegegnungen, den Spielbetrieb wieder auf. Anfang 1947 wählte man Lehrer Josef Palm zum Vorsitzenden. Gemeinsam überzeugte man die zuständige Militärregierung in Cochem von den unkriegerischen Absichten des Vereins und erreichte nach umfangreichen Überprüfungsmaßnahmen, wie Entnazifizierung und Ähnlichem, die Genehmigung zur Weiterführung des Sportvereins.

In der ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg spielten unter anderem folgende Spieler in der Fußballmannschaft:

Alois Heinzen, Adolf Thull, Franz Fischer, Werner Phasen, Otto Lahn, Matthias Brost, Alois Linden, Rudolf Hammes, Stefan Dreis, Jakob Daun, Josef Palm, Eduard Ferdinand, Andreas Dreis, Frisör Essly aus Koblenz, Anton Fischer, Georg Fischer, Arnold Irmen, Toni Thome (Schiedsrichter), Toni Wendels, Paul Wendels, Roden Kunibert, Reinhold Kutscheid. Weiterhin Nikolaus Wallenborn und Christian Heinzen, trotz fortgeschrittenen Alters, um eine komplette Mannschaft zu stellen.

 

Die Mannschaft trat in bunt zusammengewürfelten Trikots und Soldatenstiefeln an. Fußballschuhe wurden für Speck und Eier gehamstert. Einiges wurde sogar über die englische Zonengrenze bei Remagen geschmuggelt.

Zu den Auswärtsspielen fuhr die Mannschaft mit einem Holzvergaser-LKW mit offener Pritsche. Wenn man auch wie in Mannebach beim Sportfest 10:0 verlor, trübte das die Stimmung nicht. Da nur drei oder vier Mannschaften anwesend waren, gab es auch für den letzten noch einen Preis. Ein Spieler trug eine Hose mit Eingriff sowie US-Armeestiefel mit Gamaschen, welche er aus der Gefangenschaft aus den USA mitgebracht hatte. Im Eifer des Gefechtes schaute etwas von ihm unbemerkt aus dem Hosenschlitz, was bei den anderen Spielern und Zuschauern zur allgemeinen Erheiterung führte.

Nachdem 1948 auf der Alfler Kirmes Rollmöpse, Heringe und Würstchen verkauft worden waren, schaffte man von dem Erlös einheitliche Kleidung für die Spieler an. Auf den Trikots wurde durch Peter Lahn ein großes „A“ aufgenäht. Die ersten Fußballstiefel für die gesamte Mannschaft wurden beschafft. Hierzu fuhren eigens zwei Spieler mit der Eisenbahn nach Pirmasens und kauften die Schuhe direkt beim Hersteller ein. Dies war für die damalige Zeit schon eine weite Reise. Zur Finanzierung wurde von den Spielern eine Umlage erhoben und der Vereinsbeitrag betrug monatlich 25 Pfennige.

1949 kam die Fußballmannschaft in Existenzschwierigkeiten. Viele Spieler arbeiteten außerhalb des Ortes und konnten Sonntags nicht zu Hause sein. Schließlich wurde der Spielbetrieb eingestellt. Der Kassenbestand wurde bei einer Abschlussfeier auf den Kopf gehauen.

1950/51 stellte Walter Lengert aus fußballbegeisterten A-Jugendlichen und Senioren wieder eine Mannschaft auf. Sie spielte auf den umliegenden Sportfesten in den alten Trikots von 1948, welche noch vorhanden waren. Der erste Ball wurde von Schuhmachermeister Josef Fischer in Handarbeit gefertigt. Das folgende Foto wurde im Garten vom Anwesen Georg Daun im „Kirchbüchel“ aufgenommen.

        

            Mannschaft aus A-Jugendlichen und Senioren um 1950

 

Hintere Reihe von links nach rechts:

Werner Pellenz (Auderath), Werner Fischer, Stefan Dreis, Gerhard Thomas(Auderath), Jakob Daun.

Mittlere Reihe von links nach rechts:

Alex Franzen, Werner Wendels, Kurt Heinz

Vordere Reihe von links nach rechts:

Karl Heinz Lahn, Alfred Lahn, Alfred Fischer

Foto: Werner Fischer